Hallo,
eine Ableitung einer Funktion nach einer Variable beschreibt die Änderung des Funktionswertes, wenn man die Variable um ein winziges Stück verändert.
Am Besten kannst du dir das in der Physik klarmachen, wenn du z.B. Ort, Geschwindigkeit und Beschleunigung eines Gegenstands anschaust.
Die Geschwindigkeit ist die Ableitung des Ortes nach der Zeit. D. h., wenn dein Körper zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort ist, ist er kurze Zeit später an einem neuen Ort, den du herausfindest indem du seine Geschwindigkeit dazuaddierst.
Beispiel: Du bist in einer Eishalle und lässt einen Puk übers Eis gleiten (so dass er sich ohne Reibung bewegt). Er bewegt sich mit konstanter Geschwindigkeit, d.h. v = konstant, sagen wir 10 m/s. Betrachtest du jetzt seinen Ort zu einer beliebigen Zeit, sagen wir nach 5s und fragst dich, wo er denn nach 6s sein wird, kannst du das über die Ableitung der Ortsfunktion, nämlich der Geschwindigkeit, ganz einfach berechenen: In einer Sekunde kommt einmal die Geschwindigkeit dazu, d.h. er ist jetzt 1s * 10 m/s = 10m weiter, als er es nach 5 Sekunden war.
Nun ist dieses Beispiel auch ohne Ableitung usw noch einfach zu lösen, interessant wird die Ableitung aber bei nicht konstanten Sachen, z.B. bei einem Wurf unter Einfluss der Erdanziehung. Hier kannst du mithilfe von ableiten (und integrieren, quasi dem Gegenstück in die andere Richtung) vieles Berechnen.
Für dich wird erstmal das in der Schulmathematik Verwendete interesant sein:
Nehmen wir eine Funktion
f(x) = 2x + 3 .
Wir wollen jetzt schauen, wie schnell sich die Funktion denn verändert. Dazu leiten wir sie einfach mal nach x ab und kommen auf
f ' (x) = 2
Also steigt die Funktion in jedem Punkt, wenn man x um eins erhöht, um 2 an. Wir vergleichen das mit dem, was wir über Geraden wissen: f ist offensichtlich eine Gerade mit Steigung 2, was genau mit unserer Ableitung übereinstimmt.
In diesem Beispiel kann man die Ableitung quasi direkt aus der Geradenform ablesen und sich die Funktion einfach vorstellen. Jetzt wollen wir aber mal eine andere Funktion betrachten, z.b.
g ( x ) = 2 x² +4 x - 2
Hier kann man sich die Funktion nicht so wirklich sofort vorstellen, oder? Wir können uns aber über die Ableitung helfen und so Hoch- und Tiefpunkte usw ausrechnen (das hast du richtig erkannt, das ist in der Schule eine der Hauptaufgaben der Ableitungen ;)).
Überlegen wir uns, wie so ein Tiefpunkt aussieht: Auf der linken Seite geht die Funktion nach unten, auf der Rechten Seite geht sie wieder hoch. Das heißt für die Ableitung, dass sie links negativ sein muss (wenn wir mit dem x ein bisschen nach rechts gehen, wir g ( x ) ein bisschen kleiner) und rechts entsprechend positiv.
Da sie aber nicht einfach springen kann (da sie stetig ist, muss dich in der Schule normalerweise noch nicht so sehr interessieren ;)) muss sie dazwischen irgendwann mal bei der 0 vorbeikommen, an der führt kein weg vorbei von + zu - (oder versuche mal eine linie zu zeichnen, die über der y-achse anfängt und unter der y-achse aufhört, ohne die y-achse zu schneiden ;)
Da die Ableitung links unseres Tiefpunkts - und rechts davon + ist, muss sie im Tiefpunkt logischerweise genau diese 0 werden. (Genauso kannst du dir das für den Hochpunkt vorstellen).
Wenn wir also wissen wollen, wo die Funktion Hoch- und Tiefpunkte hat, schauen wir erstmal, wo denn die Ableitung 0 wird. Berechnen wir also erst einmal die Ableitung von g (x) nach x:
g ' (x) = 4 x + 4
und setzen diese dann 0:
g' ( x ) = 4 x + 4 = 0
Wir sehen schnell, dass g ' (x) genau dann 0 ist, wenn x = - 4 ist. Die Frage ist jetzt noch: Ist bei x = -4 ein Tiefpunkt, ein Hochpunkt oder nix von beidem? Die Antwort darauf liefert uns die 2. Ableitung von g, also die Ableitung von g ' , also die Änderung von g '.
Wenn diese (g '' ) an der stelle x größer als 0 ist, geht g' rechts von x wider etwas nach oben, wird also positiv, also geht auch g wieder nach oben. d.h. wir haben einen Punkt an dem es links davon nach unten und rechts davon nach oben und damit einen Tiefpunkt. Wenn g '' kleiner als 0 ist ist es genau andersrum und wir haben einen Hochpunkt. Wenn g'' genau 0 ist haben wir keins von beidem, sondern einen Stationären Punkt (weil sich einfach nichts ändert ;) )
Betrachten wir unser g und bilden die Ableitung von g ' (x):
g'' (x) = 4
Das ist offensichtlich überall (also auch bei x = -4) größer als 0, damit hat g (x) bei x = -4 einen Tiefpunkt und wir können uns grob vorstellen wie die Funktion aussieht: Sie fängt links "ganz oben" and, wird dann immer kleiner, bis sie bei x = - 4 den kleinsten Wert ( g(-4)= 2 * (-4)² + 4 * (-4) - 2 = 14) erreicht und geht dann wieder ständig nach oben.
Das ist jetzt natürlich nur eine sehr ungenaue Beschreibung der Funktion, aber das ganze lässt sich durch weitere Dinge noch genauer Bestimmen (Wendepunkte, Nullpunkte...).
Für sowas braucht man in der Schule Ableitungen. Wie sie genau berechnet werden lernt ihr sicher noch, ich hoffe ich konnte dir etwas helfen.
mfg
Ennte
und mit der zweiten ableitung kann ich dann hochpunkt tiefpunkt und wendepunkt berechnen? Und was ist mit der dritten?
also mit der 1. ableitung machst du hoch- oder tiefpunkt, indem du dann die x- werte (nullstellen) in die 2. ableitung einsetzt um die y-werte zu bekommen
mit der 3. ableitung kannst du sehen ob es rechts- oder linkskrümmung ist